Apothekenreform scheitert an Widerstand aus Politik und Praxis
Apothekenreform in Deutschland stößt auf heftigen Widerstand
Die geplante Apothekenreform der Bundesregierung sieht sich mit scharfer Kritik von Gesundheitsexperten und Politikern konfrontiert. Carolina Trautner und Bernhard Seidenath haben zentrale Punkte des Gesetzesentwurfs scharf angegriffen und warnen, dass die Reform die Existenz lokaler Apotheken gefährden könnte. Im Mittelpunkt ihrer Bedenken stehen wirtschaftliche Belastungen, unfaire Wettbewerbsbedingungen und die Gefahr einer verschlechterten Arzneimittelversorgung in ländlichen Regionen.
Der Entwurf zielt darauf ab, kleine und ländliche Apotheken durch finanzielle Hilfen, erweiterte Befugnisse und vereinfachte Filialgründungen zu stärken. Hintergrund ist ein Rückgang der Apotheken in strukturschwachen Gebieten in den vergangenen fünf Jahren – verursacht durch Personalmangel, sinkende Gewinne und strukturelle Veränderungen im Gesundheitswesen.
Kritiker monieren jedoch, dass ein entscheidender Baustein fehlt: die Erhöhung der festen Rezeptgebühr auf 9,50 Euro. Seidenath, gesundheitspolitischer Sprecher der CSU, unterstützt diese Forderung nachdrücklich und warnt, dass ohne Anpassung die lokale Arzneimittelversorgung – insbesondere auf dem Land – leiden werde. Trautner, Apothekerin und Mitglied im bayerischen Gesundheitsausschuss, pflichtet ihm bei und betont, dass wirtschaftliche Notlagen und bürokratische Hürden das Vertrauen in die Apotheken vor Ort untergraben könnten.
Ein weiterer Streitpunkt ist der Plan, Pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) die selbstständige Leitung von Apotheken zu ermöglichen. Sowohl Trautner als auch Seidenath lehnen dies ab und bestehen darauf, dass Apotheker die Verantwortung tragen müssen, um eine sichere und zuverlässige Versorgung zu gewährleisten. Die Debatte dreht sich zudem um ungleiche Spielregeln bei der Arzneimittelabgabe: Seidenath fordert schärfere Kontrollen für Versandapotheken und schlägt vor, den Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten zu verbieten – ähnlich wie in anderen EU-Ländern.
Zudem warnen die beiden Politiker, dass der wachsende Konkurrenzdruck durch Online-Händler traditionelle Apotheken zunehmend in Bedrängnis bringt. Sie plädieren für strengere Regularien, um stationäre Apotheken zu schützen und eine flächendeckende Gesundheitsversorgung zu sichern.
Die Zukunft der Reform bleibt ungewiss, da der Widerstand gegen Gebührenstrukturen, Personalvorgaben und den Online-Wettbewerb zunimmt. Ohne Nachbesserungen, so die Warnung von Experten, könnten weitere ländliche Apotheken schließen – mit der Folge, dass Gemeinden schlechter mit lebenswichtigen Medikamenten versorgt wären. Die Regierung steht nun unter Druck, den Entwurf zu überarbeiten und die Kritikpunkte zu berücksichtigen.






