ARD testet 30-minütige Tagesschau – kann das Format die Quoten retten?
Sebastian HoffmannARD testet 30-minütige Tagesschau – kann das Format die Quoten retten?
Die ARD testet eine längere Version ihres Flaggschiff-Nachrichtenformats, der Tagesschau. Der Versuch startete am Montagabend um 20:15 Uhr mit einer 30-minütigen Ausgabe, die den üblichen 15-Minuten-Slot ersetzte. Der Sender hofft, dass das erweiterte Format mehr Zuschauer anzieht und das Vertrauen in die Medien stärkt.
Die Einschaltquoten der traditionellen 15-minütigen Tagesschau sind in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gesunken – von etwa 7,5 Millionen im Jahr 2021 auf rund 5,8 Millionen im Jahr 2025. Die 20-minütige Abendausgabe, die 2023 eingeführt wurde, verzeichnet dagegen stabilere Zuschauerzahlen zwischen 6,2 und 6,5 Millionen.
Die Entscheidung für den Test einer 30-minütigen Variante fällt in eine Phase, in der die ARD auf veränderte Sehgewohnheiten reagieren will. Jörg Schönenborn, Programmdirektor des WDR, erklärte, die längere Sendedauer solle globale Ereignisse mit persönlichen Erfahrungen verknüpfen. Dies, so seine Überzeugung, mache die Tagesschau relevanter für den Alltag der Menschen.
Kritiker äußern jedoch Bedenken. Einige Journalisten warnen, dass der Fokus auf Alltagsbezüge den Kernauftrag des Formats verwässern könnte. Andere, wie Anna Mayr von der Zeit, betonen, dass die Qualität – und nicht allein die Länge – im Vordergrund stehen sollte. Zudem gibt es Sorgen, dass der 30-Minuten-Slot das Primetime-Programm der ARD durcheinanderbringen könnte. Gegner der Verlängerung halten 15 Minuten nach wie vor für ausreichend, um Nachrichten zu vermitteln.
Trotz der Diskussion läuft der Test bereits. Ob das erweiterte Format dauerhaft eingeführt wird, hat die ARD noch nicht entschieden. Die Daten des Senders zeigen, dass die Gesamtzuschauerzahlen (einschließlich Streaming) zwar weitgehend stabil geblieben sind, die 20-minütige Abendausgabe jedoch besser abschneidet als die kürzere Version. Dies deutet auf eine Präferenz für längere Formate bei der Stammzuschauerschaft hin.
Der Versuch einer 30-minütigen Tagesschau ist Teil der Bemühungen der ARD, den Quotenrückgang umzukehren und das öffentliche Vertrauen zu festigen. Die endgültige Entscheidung über die Zukunft des Formats hängt von der Resonanz der Zuschauer und den Auswirkungen auf die Programmplanung ab. Bis dahin beobachtet der Sender genau, wie das Publikum die Veränderung annimmt.






