Brandenburg an der Havel setzt auf Drohnenabwehr statt Druckmaschinen – und spaltet die Stadt
Sebastian HoffmannBrandenburg an der Havel setzt auf Drohnenabwehr statt Druckmaschinen – und spaltet die Stadt
Neues Joint Venture in Brandenburg an der Havel: Drohnenabwehr statt Druckmaschinen
In Brandenburg an der Havel entsteht bald eine Produktion für Drohnenabwehrsysteme. Das von der Heidelberger Druckmaschinen AG und einem amerikanisch-israelischen Unternehmen getragene Projekt markiert einen Wandel – weg von der traditionellen Druckindustrie der Stadt hin zur Militärtechnologie. Doch der Schritt sorgt bereits für Diskussionen unter lokalen Politikern und Bürgern.
Die Heidelberger Druckmaschinen AG (HDAT) ist seit 1991 in Brandenburg an der Havel ansässig und stellt dort Komponenten für Druckmaschinen her. Nun geht ihre Tochterfirma HD Advanced Technologies (HDAT) eine Partnerschaft mit dem amerikanisch-israelischen Unternehmen OAS ein, um autonome Drohnenabwehrsysteme zu fertigen. Die ersten Systeme sollen in Deutschland und der Ukraine vermarktet werden, bevor sie in andere EU-Länder exportiert werden.
Das Vorhaben soll die industrielle Basis der Stadt stärken. Bürgermeister Daniel Keip unterstützt das Projekt und betont, es festige Brandenburgs Position als wichtiger Produktionsstandort. Das Werk beschäftigt derzeit rund 400 Mitarbeiter und bietet Ausbildungsplätze in den Bereichen Industriemechanik und Mechatronik an.
Kritiker hingegen hinterfragen die Ausrichtung auf Rüstungsgüter. Heidi Hauffe, Vorsitzende des BSW-Ortsverbands, warnt vor möglichen Risiken des Wandels. Der BSW-Landesabgeordnete Andreas Kutsche bezeichnet Militärinvestitionen als "totes Kapital" und lehnt den Kurs ab. Dominik Mikhalkevich, Bewohner des Stadtteils Hohenstücken, kritisiert, die Region werde seit 1990 vernachlässigt, und fordert stattdessen zivile Entwicklungsprojekte – statt auf eine "Kriegswirtschaft" zu setzen.
Die Drohnenabwehrsysteme sind darauf ausgelegt, Hobby-Drohnen in der Nähe von Flughäfen unschädlich zu machen und so Unfälle oder Störungen zu verhindern. Die Technologie wurde bereits in anderen Märkten erprobt; nun soll die Produktion in Brandenburg hochgefahren werden.
Das Joint Venture verwandelt das Brandenburger Werk von der Druckmaschinenfertigung zur Militärtechnologie. Während lokale Verantwortliche wirtschaftliche Vorteile sehen, fürchten Gegner langfristige Folgen für die Region. Die ersten Systeme sollen zunächst in Deutschland und der Ukraine eingesetzt werden, bevor sie auf den europäischen Markt kommen.






