Gebrauchtwagenpreise stabilisieren sich nach Rekordanstieg – doch nicht für alle Modelle
Mila SimonGebrauchtwagenpreise stabilisieren sich nach Rekordanstieg – doch nicht für alle Modelle
Gebrauchtwagenpreise in Deutschland zeigen erste Anzeichen der Stabilisierung nach turbulenten Jahren
Nach einem beispiellosen Preisanstieg zwischen 2021 und 2022, als die Durchschnittspreise für Gebrauchtwagen um fast 19 Prozent stiegen – der stärkste Anstieg in so kurzer Zeit seit Beginn der Aufzeichnungen –, deutet der Markt nach seinem Höhepunkt im Jahr 2023 nun auf eine allmähliche Normalisierung hin.
Auslöser für den Preisschub war der globale Chipmangel. Als Automobilhersteller zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 ihre Produktion drosselten, stornierten sie gleichzeitig Bestellungen für Halbleiter. Die Chip-Hersteller verlagerten ihre Kapazitäten daraufhin in andere Branchen, etwa die Unterhaltungselektronik und IT. Die Folge: Die Autoindustrie kämpfte mit Produktionsstillständen und monatelangen Lieferverzögerungen – Neukäufer mussten Wartezeiten von sechs bis achtzehn Monaten in Kauf nehmen.
Da neue Fahrzeuge Mangelware waren, stieg die Nachfrage nach Gebrauchtwagen rasant an. Die Bestände blieben etwa 25 Prozent unter dem Vor-Pandemie-Niveau, was die Preise weiter in die Höhe trieb. Zwar hat sich die Lage inzwischen etwas entspannt, doch das Angebot hat sich noch nicht vollständig erholt. Eine gewisse Linderung brachte die Rückgabe von Leasingfahrzeugen, die vor allem das Angebot an jüngeren Gebrauchtwagen erhöhte.
Nicht alle Modelle waren gleichermaßen betroffen: Beliebte SUVs wie der VW Tiguan, der BMW X1 oder der Audi Q3 verzeichnen nach wie vor eine starke Nachfrage. Elektroautos hingegen verlieren schneller an Wert – dreijährige Batterie-Elektrofahrzeuge erreichen heute nur noch etwa 50 Prozent ihres Neupreises, während Benziner im Schnitt 63,5 Prozent und Diesel 62,2 Prozent ihres ursprünglichen Werts behalten.
Der Markt bleibt dynamisch: Allein 2024 wurden mit rund 6,48 Millionen Fahrzeugen 7,4 Prozent mehr Halterwechsel registriert als im Vorjahr. Zudem wechseln Gebrauchtwagen schneller den Besitzer als vor der Pandemie – 2025 standen sie im Schnitt nur noch 57 Tage bei Händlern.
Die Preise haben sich leicht entspannt: Anfang 2025 kostete ein durchschnittlicher Gebrauchtwagen in Deutschland etwa 27.800 Euro. Zwar bleibt die Nachfrage hoch, doch die schrittweise Rückkehr von Leasingfahrzeugen und die verbesserte Versorgungssituation tragen zur Stabilisierung bei. Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage hat sich zwar verringert, doch ein deutlicher Preisverfall bleibt vorerst aus.






