16 March 2026, 00:56

Gericht blockiert Einbürgerung wegen linksradikaler Vergangenheit – Debatte entbrannt

Eine Gruppe von Menschen hält Schilder und Plakate vor einem Gebäude, mit zwei Personen im Vordergrund und einem Müllcontainer auf der rechten Seite, während einer Demonstration in Deutschland, mit Gebäuden, Fenstern, Lichtern und Schildern im Hintergrund.

Gericht blockiert Einbürgerung wegen linksradikaler Vergangenheit – Debatte entbrannt

Ein deutsches Gericht hat dem iranischen Staatsbürger Danial Bamdadi die Einbürgerung verweigert – begründet mit seinen linksradikalen politischen Aktivitäten. Das Verwaltungsgericht Stuttgart bestätigte die Entscheidung und argumentierte, Bamdadi habe sich nicht ausreichend von gewaltbereiten extremistischen Gruppen distanziert. Der 34-Jährige, der für eine Organisation gegen Rechtsextremismus arbeitet, kündigte an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen.

Der Fall hat eine breite Debatte ausgelöst. Gewerkschaften und Prominente kritisieren die Begründung des Gerichts scharf. Unterstützer werfen der Justiz vor, das Urteil sei Teil einer generellen Einschränkung demokratischen Engagements in Deutschland.

Bamdadis Antrag auf Einbürgerung war bereits zuvor wegen seiner Beteiligung in der linksradikalen Szene abgelehnt worden. 2017 hatte er einen lokalen AfD-Stadtrat tätlich angegriffen, 2021 nahm er an einer Demonstration zur Unterstützung verurteilter Linksextremisten teil. Das Gericht urteilte, seine Handlungen zeigten eine mangelnde Distanz zu gewaltbereitem Extremismus – trotz seiner Arbeit für den Verein zur Bewahrung der Demokratie, der sich gegen rechtsextreme Einflüsse in Betrieben einsetzt.

Gewerkschaften und Politiker verurteilten die Entscheidung. Die IG Metall warf dem Gericht "Schuld durch Assoziation" vor und hinterfragte die Verwendung von Erkenntnissen des Verfassungsschutzes. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) nannte das Urteil einen "Schlag gegen die Gewerkschaften", während das Magazin Rote Fahne Solidarität mit Bamdadi bekundete. Eine Petition zu seiner Unterstützung hat bereits über 17.000 Unterschriften gesammelt, darunter alle Bundesvorstandsmitglieder der IG Metall. Auch die ehemalige SPD-Justizministerin Herta Däubler-Gmelin hat sich seinem Anwaltsteam angeschlossen.

Der Fall steht im Kontext eines wachsenden Trends bei abgelehnten Einbürgerungsanträgen. Die Zahlen zeigen 3.139 Absagen im Jahr 2023, 5.124 im Jahr 2024 und 10.616 im Jahr 2025. Bamdadi sieht in seiner Behandlung einen Ausdruck einer gesellschaftlichen Rechtsentwicklung, in der politisches Engagement zunehmend bestraft werde.

Er wird das Urteil anfechten und wirft dem Gericht vor, sein demokratisches Engagement unfair zu kriminalisieren. Der Fall lenkt die Aufmerksamkeit auf die stark gestiegenen Hürden bei Einbürgerungen – die Ablehnungsquote hat sich innerhalb von zwei Jahren mehr als verdreifacht.

Gewerkschaften und Aktivisten solidarisieren sich weiterhin mit Bamdadi und deuten das Urteil als Teil eines größeren Musters, linkes Engagement gezielt zu unterdrücken.

AKTUALISIERUNG

Erweiterte kriminelle Vorgeschichte enthüllt tiefere Verbindungen zum Aktivismus

Neue Details über die Vergangenheit von Danial Bamdadi sind aufgetaucht. Im Jahr 2016 wurde er wegen Spuckens auf ein AfD-Mitglied verurteilt und leistete 30 Stunden Sozialdienst. Fünf andere Landfriedensbruch-Vorwürfe aus Demonstrationen wurden fallen gelassen. 'Als Jugendlicher war ich konfrontativer,' gab er zu, bestritt jedoch die Unterstützung von Gewalt. Der Verfassungsschutz führte auch seine angebliche Führungsrolle in einer antifaschistischen Gruppe seit 2019 an - eine Behauptung, die er zurückweist.