Schicksalswahl im VW-Werk: Cavallos Zukunft an der Spitze des Betriebsrats
Mila SimonDie mächtigste Frau bei Volkswagen: Wer ist Daniela Cavallo? - Schicksalswahl im VW-Werk: Cavallos Zukunft an der Spitze des Betriebsrats
Arbeiter im Volkswagen-Werk Wolfsburg stimmen heute in einer mit Spannung erwarteten Wahl über den 67-köpfigen Betriebsrat ab. Daniela Cavallo, die amtierende Vorsitzende, kandidiert nach fünf Jahren an der Spitze des größten europäischen Automobilherstellers für eine weitere Amtszeit. Diesmal treten sechs Kandidatenlisten und ein Unabhängiger an – ein Wandel im Vergleich zu 2022, als Cavallos IG-Metall-Liste 85,5 Prozent der Stimmen erhielt.
Die Wahl findet zu einer Zeit statt, in der das Werk vor tiefgreifenden Veränderungen steht: 2027 endet die Produktion des Golf mit Verbrennungsmotor, und bis zum Ende des Jahrzehnts soll ein rein elektrischer Golf 9 vom Band rollen.
Seit ihrem Amtsantritt 2019 hat Daniela Cavallo den Wolfsburg-Betriebsrat von Volkswagen durch zahlreiche Krisen geführt. Als Tochter eines Gastarbeiters in Wolfsburg aufgewachsen, beschreibt sie ihre Karriere als Erfolgsgeschichte der Integration. Als eine der wenigen Frauen an der Spitze eines großen europäischen Betriebsrats weiß sie um die anhaltenden Herausforderungen bei der Gleichstellung in der Branche.
In diesem Jahr führte Cavallo zähe Verhandlungen, die den Arbeitsplatzschutz für 35.000 Volkswagen-Beschäftigte in Deutschland bis Ende 2030 sicherten. Die Vereinbarung verhindert Werksschließungen, Massenentlassungen und Einkommensverluste – selbst während der Konzern plant, bis 2030 durch natürliche Fluktuation und freiwillige Maßnahmen 35.000 Stellen abzubauen. Im Gegenzug akzeptierten die Beschäftigten Kürzungen beim Urlaubsgeld, bei Boni sowie einen Lohnstopp.
Politiker und Gewerkschafter loben ihre Führung. Olaf Lies, der sozialdemokratische Ministerpräsident Niedersachsens, nennt sie eine "klare und entschlossene Fürsprecherin der Belegschaft mit großer Fachkompetenz". Christiane Benner, Vorsitzende der IG Metall, hebt Cavallos strategisches Handeln und ihre Entschlossenheit hervor, die Zukunft der Belegschaft in schwierigen Zeiten zu sichern.
Die Wahl fällt zudem in eine Phase der Ungewissheit über die Zukunft des Golf. Während die Produktion der Verbrennervariante 2027 endet, plant Volkswagen, den rein elektrischen Golf 9 ab 2030 in vfl wolfsburg zu bauen.
Das Ergebnis der heutigen Abstimmung wird entscheiden, ob Cavallo den Betriebsrat weiter durch Volkswagens Wandel zur E-Mobilität führt. Eine Wiederwahl würde den bisherigen Kurs bestätigen, der Arbeitsplatzsicherheit mit tiefgreifenden Umstrukturierungen verbindet. Die Ergebnisse werden zeigen, welche Prioritäten die Belegschaft setzt, während sich das Werk vom traditionellen Verbrennermotor verabschiedet.






