Vom Apothekenbesitzer zum Zeitarbeiter: Ein Leben zwischen Tradition und Wandel
Sebastian HoffmannVom Apothekenbesitzer zum Zeitarbeiter: Ein Leben zwischen Tradition und Wandel
Klaus Rabe, ein 73-jähriger Apotheker aus Schleswig-Holstein, hat jahrzehntelang in der Branche gearbeitet – zunächst als Inhaber eigener Apotheken, heute als Aushilfsapotheker in ganz Deutschland. Nach der Schließung seiner letzten Apotheke 2018 entschied er sich gegen den Ruhestand und für die Zeitarbeit, angetrieben von finanzieller Notwendigkeit und der Leidenschaft für seinen Beruf. Seine Karriere spiegelt die größeren Veränderungen in der Branche wider, wo die abnehmende Zahl unabhängiger Apotheken auch die Nachfrage nach Vertretungskräften sinken lässt.
Seine Laufbahn begann Rabe in den frühen 1980er-Jahren; später eröffnete er vier Filialen im Raum Kiel. Als er 2018 seine letzte Apotheke verkaufte, hatte er bereits einen stetigen Rückgang lokaler Betriebe beobachtet. Schätzungsweise acht Apotheken in seiner Region haben in den letzten Jahren geschlossen – und damit auch die Möglichkeiten für Aushilfstätigkeiten reduziert.
Seit acht Jahren springt Rabe nun in rund 40 verschiedenen Apotheken ein. Manche Einsätze decken Urlaubszeiten ab, andere sind Notfallvertretungen. Seine Flexibilität ermöglicht es ihm, kurzfristig einzuspringen, besonders in Schleswig-Holstein, wo er ein bekanntes Gesicht geblieben ist.
Der Wechsel vom Apothekenbesitzer zur Aushilfskraft kam Rabes Wunsch entgegen, sich Bürokratie und Managementaufgaben zu entziehen. Zudem hat die bessere Personaldecke in den verbleibenden Apotheken den Bedarf an Vertretungen verringert. Dennoch nimmt er weiterhin Aufträge an – aus praktischen Gründen, aber auch aus Freude daran, im Berufsleben aktiv zu bleiben.
Bevor Rabe sich aus seinem eigenen Betrieb zurückzog, war er stellvertretender Vorsitzender des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein. Seine lange Erfahrung gibt ihm einen klaren Blick auf die Probleme der Branche – und die schrumpfende Nachfrage nach Aushilfskräften wie ihm.
Rabes Weg vom Apothekeninhaber zum Vertretungsapotheker verdeutlicht den Wandel der deutschen Apothekenlandschaft. Mit immer weniger unabhängigen Betrieben sinkt auch der Bedarf an temporären Vertretungen. Vorerst bleibt er jedoch einsatzbereit – in einer Branche, die sich kaum noch mit der deckt, in die er vor vier Jahrzehnten eintrat.






