30 March 2026, 16:15

Anna Netrebko triumphiert in Berlin – doch vor der Oper tobt der Protest

Gemälde mit dem Titel 'Die Oper' (1856), das eine Gruppe von Musikern auf der Bühne mit Instrumenten und Stühlen zeigt, die einer Zuschauermenge gegenüberstehen und an einer Wand lehnen.

Anna Netrebko triumphiert in Berlin – doch vor der Oper tobt der Protest

Premiere an der Berliner Staatsoper: Anna Netrebko in Un ballo in maschera – Beifall im Saal, Proteste draußen

An der Berliner Staatsoper feierte am Sonntag eine Neuinszenierung von Verdis Un ballo in maschera Premiere, mit der Sopranistin Anna Netrebko in der Hauptrolle. Die Aufführung löste sowohl begeisterten Applaus als auch laute Proteste vor dem Opernhaus aus. Rund 50 Demonstranten schwenkten ukrainische Flaggen und skandierten Parolen gegen die in Russland geborene Sängerin.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die fast dreistündige Produktion von Verdis Oper präsentierte Netrebko in der Rolle der Amelia. Ihre darstellerische und gesangliche Leistung wurde vom Publikum mit starkem Beifall bedacht – trotz der anhaltenden Kontroversen um ihre früheren Verbindungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin. Kritiker werfen ihr seit Langem vor, eine "Putin-Propagandistin" zu sein, und verweisen dabei auf ihre Geburtstagsfeier 2014 im Moskauer Kreml sowie ihre zögerliche öffentliche Distanzierung von der russischen Regierung.

Vor dem Opernhaus riefen die Protestierenden Sprüche wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Die Kundgebung spiegelte die anhaltenden Spannungen wider, die mit Netrebkos wahrgenommener politischen Haltung zusammenhängen und 2022 zu massenhaften Absagen ihrer Auftritte in ganz Europa führten. Renommierte Häuser wie die Wiener Staatsoper, Berlin und München hatten ihre Engagements zuvor boykottiert.

Regisseur Rafael R. Villalobos verpasste der Inszenierung einen modernen Twist, indem er Elemente der queeren Ballroom-Kultur und Anspielungen auf die AIDS-Krise in bestimmte Szenen einwebte. Während einige Zuschauer die künstlerischen Entscheidungen mit Beifall bedachten, reagierten andere mit Buhrufen.

Intendantin Elisabeth Sobotka betonte später, Netrebko habe sich öffentlich von Russland distanziert und sei seit 2021 nicht mehr dorthin zurückgekehrt. Die Sopranistin, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, hat ihre Auftritte in Europa schrittweise wiederaufgenommen, darunter jüngst in Italien und der Schweiz. Dennoch begleiten sie weiterhin Debatten über künstlerische Freiheit versus politische Verantwortung.

Die Premiere markierte Netrebkos Rückkehr nach Berlin nach Jahren der Absagen und Boykotte. Während ihre Gesangskunst Lob erntete, unterstrichen die Proteste draußen die anhaltende Polarisierung über ihre politischen Verstrickungen. Die Entscheidung der Staatsoper, sie in ihr Weihnachtsprogramm aufzunehmen, hält die Diskussion über Kunst und Verantwortung weiter am Leben.

Quelle