Apotheker klagt an: "Das Gesundheitssystem verrät uns – trotz Milliardenüberschuss"
Amelie HoffmannApotheker klagt an: "Das Gesundheitssystem verrät uns – trotz Milliardenüberschuss"
Ein Apotheker aus Niedersachsen hat das deutsche Gesundheitssystem scharf kritisiert, weil es seinen Überschuss von 3,5 Milliarden Euro nicht mit kämpfenden Apotheken teilt. Frank-Martin Welzig, Inhaber der Hils-Apotheke in Delligsen, bezeichnete die Situation als ungerecht – besonders nach Jahren stagnierender Förderung und steigender Kosten. Seine Verärgerung wächst, da die Regierung die angekündigte Erhöhung der festen Apothekengebühr weiter verzögert und viele Apotheker damit in finanzielle Bedrängnis bringt.
Welzig wandte sich direkt an Gesundheitsministerin Nina Warken und argumentierte, die Apotheken hätten durch Rabattverträge maßgeblich zum Überschuss der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) beigetragen. Ohne ihre Leistungen gäbe es überhaupt keinen Überschuss, betonte er. Der aktuelle Entwurf zur Apothekenreform, der keine Anhebung der Festvergütung vorsieht, komme einer "Ohrfeige für den gesamten Berufsstand" gleich.
Die feste Apothekengebühr (Fixum) liegt seit 2013 unverändert bei 8,35 Euro – und hat durch Inflation und um 65 Prozent gestiegene Betriebskosten massiv an Kaufkraft verloren. Gleichzeitig stieg die Gesamtvergütung der Apotheken von 5,6 Milliarden Euro im Jahr 2013 auf 7,1 Milliarden Euro 2024 – ein Plus von 26 Prozent. Die Bundesapothekerkammer (ABDA) fordert nun eine sofortige Erhöhung auf mindestens 9,50 Euro, wie ursprünglich im Koalitionsvertrag vereinbart. Zudem verlangen sie einen verlässlichen Mechanismus für künftige Anpassungen sowie regelmäßige inflationsgebundene Steigerungen.
Neben den finanziellen Belastungen sehen sich Apotheken mit wachsendem bürokratischem Aufwand konfrontiert. Sie müssen Patienten häufige Medikamentenwechsel erklären, was zu Verunsicherung und schlechterer Therapietreue führen kann. Der GKV-Spitzenverband hingegen beharrt darauf, dass der Überschuss nicht ausreiche, um Rücklagen aufzubauen – und lässt die Apotheken damit weiter im Stich.
Der Streit offenbart die zunehmende Kluft zwischen der Finanzierung der Apotheken und ihren steigenden betrieblichen Anforderungen. Ohne eine Gebührenerhöhung werden die Apotheker die Kostenlast weiter allein tragen müssen – bei gleichzeitiger Verantwortung für die Patientenversorgung. Die nächsten Schritte der Regierung werden zeigen, ob die versprochenen Reformen tatsächlich umgesetzt werden oder ob die Apotheken weiter unter finanzieller Belastung leiden.






