BAföG-Reform droht zu scheitern – Ministerin Bär setzt auf KI-Hilfen statt auf Fördergelder
Emil NeumannBAföG-Reform droht zu scheitern – Ministerin Bär setzt auf KI-Hilfen statt auf Fördergelder
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär hat Verzögerungen bei der geplanten BAföG-Reform signalisiert. Die ursprünglich für das Wintersemester 2026/27 vorgesehenen Änderungen stehen nun aufgrund von Haushaltskürzungen und politischem Widerstand auf unsicherem Grund. Gleichzeitig kündigte sie neue digitale Hilfsmittel an, die Studierenden die Navigation im bestehenden System erleichtern sollen.
Die BAföG-Reform sollte das deutsche System der staatlichen Studienförderung modernisieren. Bär räumte jedoch ein, dass ein zügiger Fortschritt unwahrscheinlich sei, da sich Teile der Koalition zurückziehen. Sie verwies auf die aktuelle Priorität der Bundesregierung, die öffentlichen Ausgaben zu reduzieren, wodurch viele Sozialreformen auf Eis liegen.
Trotz des Rückschlags betonte Bär Verbesserungen bei den BAföG-Informationsdiensten. Noch in diesem Jahr soll auf dem Portal bafoeg-digital ein KI-gestützter Chatbot an den Start gehen. Dieses Tool bietet anonyme, unverbindliche Einschätzungen zur Förderberechtigung und leitet Nutzerinnen und Nutzer zum offiziellen BAföG-Rechner weiter.
Die Ministerin ging auch auf weitere Anliegen von Studierenden ein. Sie bezeichnete das deutsche Hochschulsystem als „hochprivilegiert“ – schließlich gebe es keine Studiengebühren und der staatlich finanzierte Zugang zu Universitäten sei gesichert. Zur Frage des Nebenjobs argumentierte Bär, dass die Vereinbarkeit von Arbeit und Studium kein Nachteil sei, sondern wertvolle Kompetenzen für die spätere Karriere vermitteln könne.
Jenseits des BAföG kündigte die Ministerin zügiges Handeln bei einem anderen Thema an: Die Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes soll schnell vorangetrieben werden, um die Rechte von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in befristeten Verträgen zu stärken. Der Entwurf für die BAföG-Novelle befindet sich derweil noch in Abstimmung mit den Bundesländern und weiteren Beteiligten – die Verhandlungen verlaufen Berichten zufolge bisher reibungslos.
Die Zukunft der BAföG-Reform bleibt angesichts der Haushaltszwänge ungewiss. Studierende erhalten zwar bald Zugang zu einem KI-Chatbot für Fragen zur Förderberechtigung, doch Änderungen bei den Fördersätzen sind vorerst nicht in Sicht. Unterdessen verlagert Bär ihren Fokus auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für wissenschaftliches Personal – durch separate Gesetzesvorhaben.






