Boris Palmer bleibt Oberbürgermeister – und sagt Nein zum Ministeramt unter Özdemir
Amelie HoffmannWarum Bürgermeister Palmer einige seiner Aussagen bereut - Boris Palmer bleibt Oberbürgermeister – und sagt Nein zum Ministeramt unter Özdemir
Boris Palmer, Tübingens langjähriger Oberbürgermeister, hat sich entschieden, in seinem aktuellen Amt zu bleiben, statt in die Landesregierung einzutreten. Die Ankündigung folgt auf wochenlange Spekulationen über seine mögliche Ernennung zum Minister unter Cem Özdemir. Palmer, der die Grünen 2021 verließ, ist zwar weiterhin parteilos, pflegt aber weiterhin Kontakte zum pragmatischen Flügel der Partei.
Trotz jahrelanger Kontroversen beharrt er darauf, keine Reue für seine provokanten Äußerungen zu empfinden – auch wenn er einräumt, dass manche Entschuldigungen allein dazu dienten, den politischen Schaden zu begrenzen.
Palmer wurde 2007 erstmals zum Tübinger Oberbürgermeister gewählt. Im Laufe der Jahre sorgten seine unumwundenen Ansichten – insbesondere zur Flüchtlingspolitik – immer wieder für öffentliche Empörung. Vorwürfe des Rassismus folgten, und seine Weigerung, von bestimmten Aussagen, darunter der Verteidigung der Verwendung des N-Worts, abzurücken, verschärfte die Kritik. Sein Auftreten führte zwar häufig zu Konflikten, stärkte aber zugleich sein politisches Profil.
2021 kosteten ihn seine Provokationen schließlich die Mitgliedschaft bei den Grünen. Seither agiert er als Parteiloser, steht aber weiterhin dem Realo-Flügel der Partei nahe und unterstützte Özdemirs Wahlkampf in Baden-Württemberg. Dennoch lehnte er nun einen Ministerposten in der möglichen Regierung unter Özdemir ab und bleibt lieber in Tübingen.
In letzter Zeit hat Palmer seinen Ton gemildert. Er gibt mittlerweile zu, Grenzen überschritten zu haben und sich in manchen Fällen zu Entschuldigungen genötigt gefühlt zu haben – wenn auch nicht immer aus Überzeugung, sondern um weiteren Schaden abzuwenden. Zudem kritisiert er den Trend, Menschen öffentlich an den Pranger zu stellen, bis sie sich öffentlich entschuldigen, und bezeichnet dies als kontraproduktiv.
Stand März 2026 bleibt er fest im Amt in Tübingen, weiterhin ohne Parteibindung oder Bündnis.
Palmers Entscheidung hält ihn an der Spitze Tübingens statt in einem Landesministerium. Seine politische Laufbahn bleibt geprägt von unnachgiebigen Aussagen, auch wenn sein jüngster Kurswechsel auf einen zurückhaltenderen Stil hindeutet. Vorerst bleibt er eine prägende, aber polarisierende Figur – jenseits klassischer Parteistrukturen.






