03 April 2026, 02:09

EMAF in Osnabrück: Streit um palästinensische Künstlerin und Antisemitismus-Vorwürfe

Plakat für ein Münchner Festival mit einem Bild einer Frau mit Menschen und B├Ąumen und Text.

EMAF in Osnabrück: Streit um palästinensische Künstlerin und Antisemitismus-Vorwürfe

Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück sieht sich mit massiver Kritik konfrontiert, nachdem es beschlossen hat, einen Kurzfilm der palästinensischen Künstlerin Larissa Al-Sharif zu zeigen. Im Mittelpunkt der Kontroverse stehen nicht ihre künstlerischen Arbeiten, sondern ihre politischen Ansichten – ihr werden antisemitische Haltungen und Verbindungen zur BDS-Bewegung vorgeworfen. Unterdessen haben sich Stadtvertreter und Landespolitiker von der Veranstaltung distanziert und ihre Unterstützung kurz vor der Eröffnung zurückgezogen.

Das diesjährige Festival steht unter dem Motto "Eine unvollendete Versammlung" und setzt sich mit künstlerischer Freiheit und Verantwortung auseinander – Themen, die nun selbst zum Zankapfel geworden sind.

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Die Entscheidung, Al-Sharifs Kurzfilm "Morning Circle" ins Programm aufzunehmen, hat eine hitzige Debatte ausgelöst. Kritiker werfen der Künstlerin Antisemitismus vor und verweisen auf ihre Aktivitäten in sozialen Medien, darunter ein Halloween-Foto mit einem roten Dreieck – ein Symbol, das manche als provokativ deuten. Der künstlerische Leiter des EMAF hingegen beschreibt ihre Posts als mehrdeutig und vielschichtig und betont, dass sie nicht über ihr künstlerisches Schaffen gestellt werden sollten.

Osnabrücks Kulturdezernent Wolfgang Beckermann gab zu, dass er es bevorzugt hätte, Al-Sharifs Beitrag aus dem Festival auszugrenzen. Die Stadt hat sich inzwischen vom EMAF distanziert, während Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) seine Schirmherrschaft für die Ausgabe 2024 zurückzog. Dennoch betont die Landesregierung, sie respektiere die programmatischen Entscheidungen des Festivals, lehne Antisemitismus in jeder Form jedoch entschieden ab.

Die BDS-Bewegung, 2005 von palästinensischen zivilgesellschaftlichen Akteuren ins Leben gerufen, hat weltweit an Einfluss gewonnen – etwa durch Boykottaufrufe gegen Unternehmen wie Veolia, das bis 2015 angeblich 20 Milliarden Dollar Verluste verzeichnete. Während die Bewegung auch Unterstützung findet, etwa an der Berliner Hertie School, sieht sie sich gleichzeitig mit rechtlichen Einschränkungen und dem Vorwurf konfrontiert, Antisemitismus zu schüren, insbesondere in digitalen Räumen und an Universitäten. Al-Sharifs angebliche Nähe zu BDS hat die aktuelle Kontroverse weiter angeheizt.

Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken in Osnabrück, argumentiert, dass das Zum-Schweigen-Bringen palästinensischer Stimmen unter dem Deckmantel der Antisemitismusbekämpfung kontraproduktiv sei. Das EMAF selbst hat eine lange Tradition der Zusammenarbeit mit palästinensischen Künstlern und integrierte in sein Programm stets auch jüdische und israelische Perspektiven. Die Veranstalter betonen, das Festival bleibe ein Ort des Dialogs – selbst in politisch angespannten Zeiten.

Die Vorstellung von Al-Sharifs Film wird wie geplant stattfinden, trotz des Entzugs der offiziellen Unterstützung. Die Haltung des Festivals zu künstlerischer Freiheit prallt auf die Sorge vor antisemitischen Tendenzen und stellt lokale wie regionale Verantwortungsträger vor ein Dilemma. Mit dem Beginn der Veranstaltung bleibt die Frage, wo die Grenze zwischen politischer Meinungsäußerung und Hassrede verläuft, weiter ungeklärt.

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