Gleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsende antifeministische Angriffe und Hass
Amelie HoffmannGleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsende antifeministische Angriffe und Hass
Gleichstellungsbeauftragte in Deutschland sehen sich wachsender Feindseligkeit ausgesetzt, während antifeministische Bewegungen immer aggressiver auftreten. In jüngster Zeit kam es zu Vandalismus an orangefarbenen UN-Bänken sowie gezielten Belästigungen von Amtsträgerinnen. Das Problem hat sich 2024 weiter verschärft – die Angriffe häufen sich mittlerweile fast täglich.
Die Meldestelle Antifeminismus verzeichnete in diesem Jahr bereits 558 Vorfälle, im Schnitt zehn pro Woche. Die Bandbreite reicht von Sachbeschädigung bis hin zu direkten Drohungen. In Osnabrück wurde eine orange Bank – Teil der UN-Kampagne Orange the World – mit Graffiti beschmiert. In Wiesbaden verschwand eine solche Bank komplett, und in Annweiler veränderten Vandalen den Aufdruck so, dass er Gewalt gegen Frauen verherrlichte.
Auch die Beauftragten selbst geraten zunehmend unter Druck. Eine Gleichstellungsbeauftragte aus Baden-Württemberg berichtete, dass nach einem öffentlichen Auftritt Rechtsextreme vor ihrer Haustür aufgetaucht seien. Viele beschreiben ein Muster der Zermürbung: Kürzungen im Budget, offene Feindseligkeit und mangelnde institutionelle Unterstützung. Zudem schwindet die politische Rückendeckung – die Bundesfrauenministerin sagte kürzlich ihre Teilnahme an einem wichtigen Kongress ab.
Um sich zu wehren, schmieden die Beauftragten Bündnisse und setzen auf sachliche, professionelle Reaktionen. Doch 63 Prozent geben an, bereits antifeministische Angriffe erlebt zu haben, und 40 Prozent verzeichnen mehrere Vorfälle innerhalb von nur zwei Jahren. Ohne stärkere Unterstützung durch die eigenen Behörden warnen sie, werde sich die Lage weiter zuspitzen.
Der Anstieg antifeministischer Aktivitäten gefährdet die Gleichstellungsarbeit. Die Beauftragten setzen zunehmend auf kollektive Strategien, um Belästigung und Vandalismus zu begegnen. Doch ohne mehr politischen und institutionellen Rückhalt bleibt ungewiss, ob sie ihre Arbeit langfristig wirksam fortsetzen können.






