Hubertz plant staatliche Wohnungsbaugesellschaft als "Game-Changer" gegen Wohnungsmangel
Amelie HoffmannHubertz plant staatliche Wohnungsbaugesellschaft als "Game-Changer" gegen Wohnungsmangel
Bundesbauministerin Verena Hubertz hat Pläne für die Gründung einer staatlichen Wohnungsbaugesellschaft in Deutschland angekündigt. Mit diesem Schritt soll der Wohnungsmangel im Land durch eine Beschleunigung des Wohnungsbaus bekämpft werden. Finanzminister Lars Klingbeil hatte die Idee erstmals in einer kürzlichen Rede bei der Bertelsmann Stiftung vorgeschlagen.
Hubertz bezeichnete die geplante Gesellschaft in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung als möglichen "Game-Changer". Gleichzeitig räumte sie ein, dass zunächst rechtliche und institutionelle Hürden überwunden werden müssten, bevor das Vorhaben umgesetzt werden könne.
Die Regierung hat mehrere zentrale Hindernisse für die Gründung eines bundeseigenen Wohnungsunternehmens ausgemacht. Strenge EU-Beihilferegeln (Art. 107 AEUV) sowie das deutsche Verfassungsverbot direkter öffentlicher Wohnbauförderung (Art. 107 GG) stellen erhebliche rechtliche Herausforderungen dar. Wettbewerbsrechtliche Auflagen des Bundeskartellamts und langsame bürokratische Abläufe erschweren die Umsetzung zusätzlich. Im Gegensatz zu Deutschland haben Länder wie die Niederlande, Österreich und Frankreich seit den 2000er-Jahren ähnliche Probleme durch rechtliche Anpassungen oder hybride öffentlich-private Modelle gelöst.
Hubertz betonte, dass das Projekt eine Grundgesetzänderung erfordern werde. Zugleich gestand sie ein, dass die SPD in jüngsten Landeswahlen wegen "Reformblockaden" kritisiert worden sei. Um das Vertrauen zurückzugewinnen, müsse die Partei das Versprechen sozialer Aufstiegsmöglichkeiten neu beleben – etwa durch die Gewährleistung, dass harte Arbeit zu bezahlbarem Wohnraum und Wohneigentum führe.
Über die Wohnungsbaugesellschaft hinaus forderte Hubertz umfassendere Reformen im Wohnungssektor. Veränderungen müssten "Teil eines größeren Pakets" sein, um die Wohnungsnot in Deutschland wirksam zu bekämpfen, so die Ministerin. Gleichzeitig drängte sie auf schnelle politische Maßnahmen, während parallel eine langfristige "Zukunftsvision" für die SPD entwickelt werden solle.
Ihre Botschaft war klar: Das Land brauche Lösungen, die weit über eine einzelne Initiative hinausgingen. "Wir brauchen Wohnraum für das ganze Land", erklärte sie und signalisierte damit einen Vorstoß für bundesweite Reformen statt isolierter Einzelmaßnahmen.
Doch bevor die geplante Wohnungsbaugesellschaft Realität werden kann, stehen erhebliche rechtliche und bürokratische Hindernisse im Weg. Verfassungsänderungen und EU-konforme Finanzierungsmodelle werden entscheidend für den Fortschritt sein. Gelingt das Vorhaben, könnte es einen grundlegenden Wandel in Deutschlands Umgang mit bezahlbarem Wohnraum und wirtschaftlicher Teilhabe einläuten.






