Hunderte Apotheken in Baden-Württemberg streiken für faire Löhne
Hunderte Apotheken in Baden-Württemberg blieben am Montag in einem seltenen Protest gegen die Löhne geschlossen. Die von der Landesapothekerverband (LAV) organisierte Aktion forderte längst überfällige Gehaltsanpassungen für das Personal. Nur Notdienste blieben geöffnet, um die Versorgung der Patienten mit lebenswichtigen Medikamenten zu gewährleisten.
Die letzte nennenswerte Gebührenanpassung für Apothekenmitarbeiter liegt mehr als zwei Jahrzehnte zurück. Eine geringe Erhöhung im Jahr 2013 konnte die seit Jahren stagnierenden Löhne kaum ausgleichen, wie Andreas Plomper, ein an der Aktion beteiligter Apotheker, erklärte. Sein Argument: Hätten auch die Notdienstapotheken geschlossen, wäre das Signal noch deutlicher gewesen – schließlich seien stationäre Behandlungen im Krankenhaus weitaus kostspieliger als Apothekenleistungen.
Es bedurfte erheblicher Überzeugungsarbeit, um fast alle Apotheken des Landes für den Streik zu gewinnen. Christian Kraus, Vorsitzender der LAV-Geschäftsstelle Pforzheim, rief seine Kollegen auf, sich vor der Christoph-Apotheke zu versammeln – einer der wenigen Ausnahmen, die für den Notdienst geöffnet blieb. Plomper selbst war im Einsatz, um den Betrieb der Notdienstapotheke trotz des Protests aufrechtzuerhalten.
Kraus forderte die Teilnehmer auf, in ihren Arbeitskitteln zu erscheinen und mit Schildern oder Flugblättern für maximale Sichtbarkeit zu sorgen. Das Ziel war klar: Geschlossenheit demonstrieren und für fairere Bezahlung kämpfen. Plomper hingegen passte die Personaleinsatzplanung an und setzte fünf Mitarbeiter für den Vormittag und vier für den Nachmittag ein, um den erhöhten Bedarf an diesem Tag zu bewältigen.
Bundesweit blieben die Notdienstapotheken in Betrieb, um die grundlegende Versorgung zu sichern. Doch in Baden-Württemberg schlossen 420 Apotheken ihre Türen – eine der größten koordinierten Aktionen der letzten Jahre.
Der Protest machte die finanzielle Belastung der Apothekenmitarbeiter nach Jahren ohne spürbare Lohnerhöhungen deutlich. Da die Notdienste weiterliefen, hofften die Organisatoren, dass der Streik die Aufmerksamkeit auf ihre Forderungen lenken würde. Nun hängt der Ausgang davon ab, ob die Politik auf den Ruf der Branche nach Veränderung reagiert.






