Mainz sagt den gelben Müllsäcken den Kampf an – doch die Umstellung hat ihren Preis
Sebastian HoffmannMainz sagt den gelben Müllsäcken den Kampf an – doch die Umstellung hat ihren Preis
Mainz rückt näher an die Abschaffung der gelben Müllsäcke zugunsten eines neuen Tonnensystems. Die Umstellung soll die Vermüllung und die aufgerissenen Verpackungen reduzieren, die derzeit bei der Abholung auf den Straßen zurückbleiben. Allerdings könnte der Wechsel für Eigentümer zusätzliche Kosten bedeuten und für Anwohner neue Pflichten mit sich bringen.
Die Stadt hatte bereits 2019 beschlossen, das "Gelbe-Tonne"-System einzuführen, um das Recycling zu verbessern und den Plastikmüll durch Säcke zu verringern. Doch das Vorhaben scheiterte vorerst an einer rechtlichen Hürde: Ein Verwaltungsgericht stoppte die Pläne mit der Begründung, dass ein Vollservice-Modell für die Abholung vorgeschrieben sei.
Der aktuelle Entsorgungsdienstleister BellandVision lehnte die Umstellung auf das Tonnensystem ab. Das Unternehmen warnte vor mehr Restmüll und höheren Emissionen. Ohne dessen Unterstützung musste Mainz nach einem neuen Partner suchen.
Nun hat die Kommunale Abfallwirtschaft Mainz (KAW) ein neues Rahmenkonzept vorgelegt, um einen anderen Anbieter zu gewinnen. Sollte der künftige Dienstleister keinen Vollservice anbieten, müssen die Anwohner die Gelben Tonnen selbstständig an den Straßenrand bringen und wieder zurückstellen. Zudem gibt es Bedenken, dass die Umstellung für Hauseigentümer mit höheren Gebühren verbunden sein könnte.
Wie Ralf Peterhanwahr, ein Sprecher der Stadtverwaltung, bekannt gab, könnte das neue System zum 1. Januar 2027 starten. Die Umstellung folgt auf anhaltende Probleme mit sich stapelnden gelben Säcken, insbesondere bei der vierzehntägigen Abholung. Daten des Umweltbundesamts zeigen, dass in ländlichen Gebieten mit Tonnensystemen jährlich etwa 17 Kilogramm falsch entsorgter Abfall pro Person anfallen – fast doppelt so viel wie in Systemen mit Säcken.
Ab 2027 soll das neue System die gelben Säcke ersetzen, doch sein Erfolg hängt davon ab, ob sich ein bereiter Entsorgungspartner findet. Eigentümer müssen möglicherweise mit höheren Kosten rechnen, während Anwohner bei fehlendem Vollservice mehr Eigeninitiative zeigen müssten. Noch ist unklar, wie groß die öffentliche Unterstützung ist und in welchem Ausmaß der Verpackungsmüll tatsächlich sinken wird.






