Mehr als die Hälfte aller Krankenhausfälle könnte ambulant behandelt werden
Emil NeumannMehr als die Hälfte aller Krankenhausfälle könnte ambulant behandelt werden
Eine neue Analyse zeigt: Mehr als die Hälfte der Krankenhausfälle in Deutschland könnte ohne Übernachtung behandelt werden. Allein in Sachsen-Anhalt hätten 2024 rund 57 Prozent der stationären Behandlungen ambulant durchgeführt werden können. Die Ergebnisse verdeutlichen ein großes Potenzial, um Kosten zu senken und die Belastung der Krankenhäuser bundesweit zu verringern.
Die Studie untersuchte in diesem Jahr 15,2 Millionen Krankenhausfälle in ganz Deutschland. Dabei stellte sich heraus, dass 8,6 Millionen dieser Fälle ambulant hätten behandelt oder sogar ganz vermieden werden können. In Sachsen-Anhalt fielen 280.000 der insgesamt 480.000 Behandlungen in diese Kategorie.
Besonders groß ist das Potenzial für ambulante Versorgungsmöglichkeiten in der Inneren Medizin und der Allgemeinchirurgie. In diesen Fachbereichen wurden 58 bzw. 63 Prozent der Fälle als für eine tagesklinische Behandlung geeignet eingestuft. Eine Verlagerung dieser Leistungen könnte die Kosten deutlich reduzieren, da ambulante Behandlungen deutlich günstiger sind als stationäre Aufenthalte.
Gleichzeitig steigen die Ausgaben der Krankenhäuser weiter an. Die Pflegebudgets stiegen von 19,4 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf 26,1 Milliarden Euro in 2024. Zudem übersteigen die aktuellen Finanzierungsanfragen das Ziel für 2025 bereits um 12 Prozent. Das im Rahmen der Krankenhausreform geplante Bereitstellungsfinanzierungsmodell müsste möglicherweise überarbeitet werden, um Leistungen auszuschließen, die in den ambulanten Bereich verlagert werden könnten.
Die Daten zeigen einen klaren Trend: Viele Behandlungen, die derzeit ein Krankenhausbett erfordern, könnten sicher in Praxen oder ambulanten Zentren durchgeführt werden.
Der Bericht unterstreicht die Chance, die Versorgung in Krankenhäusern grundlegend zu reformieren. Durch die Verlegung geeigneter Behandlungen in den ambulanten Bereich ließen sich nicht nur Kosten sparen, sondern auch Betten für dringendere Fälle freimachen. Um diesen Wandel zu unterstützen, werden voraussichtlich Anpassungen der Finanzierungsmodelle notwendig sein.






