"Ringel, Ringel, Reihe": Warum dieser Kinderreim so geheimnisvoll ist
Sebastian Hoffmann"Ringel, Ringel, Reihe": Warum dieser Kinderreim so geheimnisvoll ist
„Ringel, Ringel, Reihe“ – ein Kinderreim mit rätselhafter Herkunft
Der Kinderreim „Ringel, Ringel, Reihe“ gibt seit langem Rätsel über seine Ursprünge auf. Manche behaupten, er beziehe sich auf die Große Pest von London – doch die Belege sprechen dagegen. Sein erster bekannter Druck in englischer Sprache erschien erst 1881, lange nach dem Ende der Epidemie.
Viele glauben, der Reim beschreibe die Pest von 1665: Die „Rosen“ sollen Symptome symbolisieren, die „Tüchlein“ (im Original „posies“) als Schutz vor Ansteckung gedient haben. Die Zeile „Asche, Asche!“ wird oft mit Leichenverbrennungen in Verbindung gebracht – doch diese waren in England bis ins 19. Jahrhundert verboten. Diese Widersprüche stellen die Pest-Theorie infrage.
Wahrscheinlicher ist, dass der Reim als Kinderspiel im Deutschland des 18. Jahrhunderts entstand. Seine Beliebtheit stieg im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert als beschwingte Aktivität für den Nachwuchs. Einige Historiker vermuten, er gehe auf religiöse Tanzverbote zurück, die zu sogenannten „play parties“ – spielerischen Treffen – unter Jugendlichen führten.
Mit zahlreichen Varianten und Textfassungen bleibt die wahre Bedeutung unklar. Manche argumentieren, die Worte hätten überhaupt keine tiefere Bedeutung, sondern erhielten ihre Deutungen erst später. Die früheste gedruckte Version stammt aus dem Jahr 1881 – ein Pest-Bezug erscheint damit unwahrscheinlich. Offensichtlich handelt es sich um ein schlichtes Kinderspiel und nicht um eine historische Allegorie. Sein anhaltender Charme liegt in seiner verspielt-unbeschwerten Art, nicht in verborgenen Botschaften.






