21 March 2026, 00:16

Vom Soldaten-Trost zur KI-Liebespuppe: Die kulturelle Evolution der Sexpuppen

Ein Collage von Statuen von Frauen mit menschlichen Gesichtern, jede begleitet von Text, auf einer Buchseite.

Vom Soldaten-Trost zur KI-Liebespuppe: Die kulturelle Evolution der Sexpuppen

Ein kommender taz-Queer-Talk widmet sich der vielschichtigen Geschichte und kulturellen Bedeutung von Sexpuppen. Die Kulturwissenschaftlerin Susanne Regener, emeritierte Professorin der Universität Siegen, wird die Diskussion leiten und aufzeigen, wie sich diese Objekte über fast ein Jahrhundert entwickelt haben. Die Veranstaltung, moderiert von taz-Redakteur Jan Feddersen, findet in Kooperation mit Queer Nations e.V. statt.

Erste Sexpuppen tauchten Anfang des 20. Jahrhunderts auf – etwa die japanischen Azumagata-Puppen, die um 1908 für Seeleute hergestellt wurden. Ursprünglich als diskrete Begleiter für Soldaten gedacht, wurden sie später mit Nachkriegsfantasien in Japan verknüpft. In den 1970er-Jahren galten aufblasbare Puppen im Westen oft als pervers, doch die Einstellungen wandelten sich mit der Zeit.

Heutige Modelle sind hyperrealistisch, aus Silikon oder TPE gefertigt, manche sogar mit KI ausgestattet. Die gesellschaftliche Wahrnehmung reichte von Stigmatisierung bis zu vorsichtiger Akzeptanz: Japan setzte sie in den 1990er-Jahren gegen Einsamkeit ein, während sie in den USA und Europa heute als Hilfsmittel für Menschen mit Behinderungen genutzt werden. Filme wie Lars und die Frauen (2007) trugen zur Normalisierung bei, doch feministische Debatten über Objekthaftigkeit bleiben bestehen.

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Regeners Forschung umfasst Jahrzehnte und konzentriert sich auf marginalisierte Gruppen sowie das Zusammenspiel von KI, Liebe und Intimität. Sie untersucht, wie Marketing die Beziehung zwischen Käufern und Puppen prägt, und fragt, ob "Real Dolls" Geschlechterdynamiken verändern könnten. Der globale Markt boomt – bis 2025 wird China voraussichtlich 80 Prozent der Puppen produzieren –, während konservative Regionen strenge Tabus aufrechterhalten.

Der Talk lotet die ethischen und kulturellen Dimensionen von Sexpuppen aus, von ihren militärischen Ursprüngen bis zu modernen KI-gestützten Versionen. Regeners Analysen zeigen sowohl die wachsende Akzeptanz als auch anhaltende Kontroversen auf. Die Veranstaltung spiegelt damit größere Debatten über Technologie, Intimität und gesellschaftliche Normen wider.

Quelle