30 April 2026, 04:10

Wie ein Dorf in Baden-Württemberg Deutschlands schnellstes Internet baute – ohne Fördergelder

Nahaufnahme eines Glasfaserkabels mit blauen und weißen Lichtern auf schwarzem Hintergrund.

Wie ein Dorf in Baden-Württemberg Deutschlands schnellstes Internet baute – ohne Fördergelder

Eine kleine Gemeinde in Baden-Württemberg hat eines der schnellsten kommunalen Internetnetze Deutschlands aufgebaut. Hohentengen am Hochrhein bietet seinen Haushalten nun Geschwindigkeiten von bis zu einem Gigabyte pro Sekunde (1 Gbps) – und das fast flächendeckend. Das durch lokale Innovationen vorangetriebene Projekt gilt inzwischen als Vorbild für den Breitbandausbau im ländlichen Raum.

Der Weg dorthin begann mit einer ungewöhnlichen Entscheidung: Die Gemeinde lehnte staatliche Fördergelder in Höhe von über 2,25 Millionen Euro ab. Die Verantwortlichen begründeten dies mit übermäßiger Bürokratie und der Sorge, dass die Mittel private Investitionen unnötig einschränken würden. Stattdessen finanzierte Hohentengen das rund drei Millionen Euro teure Vorhaben selbst und steuerte 465.000 Euro Eigenkapital bei.

Um das Netz zu verlegen, verzichtete die Gemeinde auf aufwendige Straßenbauarbeiten. Eine speziell angepasste Fräsmaschine brachte die Kabel in den Boden ein – so ließen sich Verzögerungen und Belästigungen für die Anwohner minimieren. Herausgekommen ist ein 90 Kilometer langes Glasfasernetz mit mehr als 10.000 Kilometern Kabel.

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Lokales Know-how war entscheidend: Andreas Nauroth, der technische Leiter der Gemeinde, entwickelte die MOKO-Box – ein maßgefertigtes Kunststoffgehäuse für die Verteilungstechnik des Netzes. Betrieben wird das System heute von MOKO, dem kommunalen Kommunikationstechnik-Betrieb der Gemeinde, sowie der MKTH GmbH, der dazugehörigen Managementgesellschaft.

Das Angebot kommt bei den Bürgern gut an: 96 Prozent der Haushalte nutzen das kommunale Breitbandpaket. Für 69 Euro im Monat erhalten sie Internet, Telefon und Fernsehen – alles über die Hochgeschwindigkeitsverbindung. Bürgermeister Martin Benz rät nun anderen ländlichen Gemeinden, es Hohentengen gleichzutun. Das selbstfinanzierte, lokal verwaltete Netz biete schnelles und bezahlbares Internet – ganz ohne externe Abhängigkeiten. Der Erfolg beweise, wie kleine Kommunen ihre digitale Zukunft selbst in die Hand nehmen können.

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