KBV-Chef fordert höhere Steuern auf Tabak und Alkohol für bessere Gesundheitsfinanzierung
Amelie HoffmannKBV-Chef fordert höhere Steuern auf Tabak und Alkohol für bessere Gesundheitsfinanzierung
Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hat höhere Steuern auf Tabak, Alkohol und zuckerhaltige Getränke gefordert. Andreas Gassen, Chef der vertragsärztlichen Vereinigung, schlug die Maßnahme vor, um die Finanzierung des öffentlichen Gesundheitssystems in Deutschland zu stabilisieren. Sein Vorschlag sieht vor, den Preis einer Schachtel Zigaretten oder einer Flasche Wein um etwa zwei Euro zu erhöhen – sowohl zur Verbrauchsreduzierung als auch zur Generierung zusätzlicher Einnahmen für das Gesundheitswesen.
Gassen argumentiert, dass höhere Preise den Konsum von Tabak und Alkohol eindämmen würden, ohne die Verbraucher in finanzielle Not zu stürzen. 2023 kostete eine Packung mit 20 Zigaretten in Deutschland rund acht Euro – der niedrigste Preis in der EU, bedingt durch vergleichsweise geringe Tabaksteuern (48,5 Prozent Tabaksteuer zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer). Andere EU-Länder wie Österreich (57,3 Prozent), Finnland (70,1 Prozent) und Estland (71,5 Prozent) erheben deutlich höhere Abgaben, die bereits heute abschreckend wirken.
Auch Alkohol und zuckerhaltige Getränke stehen im Fokus des KBV-Vorschlags. Die zusätzlichen Steuereinnahmen sollen gezielt dem Gesundheitssektor zugutekommen. Die Krankenkassen unterstützen die Idee und verweisen auf über 130.000 tabakbedingte Todesfälle pro Jahr in Deutschland. Mit den Mehreinnahmen ließe sich die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel und Hilfsmittel von 19 auf 7 Prozent senken – eine Entlastung für die gesetzliche Krankenversicherung in Höhe von etwa sieben Milliarden Euro jährlich.
Darüber hinaus empfiehlt die KBV, nicht versicherungsbezogene Leistungen wie das Krankengeld künftig aus allgemeinen Steuermitteln zu finanzieren. Diese Umstellung würde den Druck auf die Beitragssätze der Krankenversicherungen verringern, ohne die öffentlichen Gesundheitsdienstleistungen zu gefährden.
Falls umgesetzt, würden die Steuererhöhungen die Preise für Tabak und Alkohol in Deutschland an das Niveau der Nachbarländer angleichen. Die zusätzlichen Einnahmen kämen direkt dem Gesundheitssystem zugute und könnten die Kosten für lebenswichtige Medikamente senken. Zudem zielt der Plan darauf ab, vermeidbare Todesfälle durch Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum zu reduzieren.






