Kulturbranche in der Krise: Warum Unabhängigkeit und Finanzierung bedroht sind
Amelie HoffmannKulturbranche in der Krise: Warum Unabhängigkeit und Finanzierung bedroht sind
Die Kulturbranche steht vor wachsenden Bedrohungen für ihre Unabhängigkeit und Finanzierung. Kulturschaffende, wie andere Lohnabhängige auch, sind auf kollektives Handeln angewiesen, um faire Bezahlung und Anerkennung für ihre Arbeit durchzusetzen. Doch ihre Arbeitsbedingungen bleiben prekär – wirtschaftliche Zwänge untergraben ihre Stabilität und Solidarität.
Richard von Weizsäcker betonte einst, dass öffentliche Kulturförderung genauso unverzichtbar sei wie Ausgaben für Straßen oder Sicherheit. Er lehnte den Begriff „Subventionen“ ab und argumentierte, Kultur sei kein Luxus, sondern das geistige Fundament einer widerstandsfähigen Gesellschaft. Dennoch werden heute Kulturhaushalte zugunsten von Aufrüstung umgeschichtet – mit der Begründung, Deutschland müsse sich auf Krieg vorbereiten.
Die Kürzungen der Regierung beschränken sich nicht auf den Kulturbereich, sondern treffen auch die soziale Sicherung. Diese doppelte Aushöhlung schafft Raum für eine von rechts geführte Kulturkampagne. CDU und andere Parteien verschärfen ihre Angriffe auf kritischen Journalismus, unabhängige Theater, Museen und offene Bildungsangebote. Durch wirtschaftliche Abwürgung wird die kulturelle Unabhängigkeit geschwächt und die Arbeit der Beschäftigten entwertet.
Veränderte Mediennutzung verschärft die Krise. Während das Publikum zu Streaming-Plattformen abwandert, schrumpft die kulturelle Vielfalt. Gleichzeitig konzentriert sich die Kontrolle über die Verbreitung von Kultur in immer weniger Händen. Zusammen mit unsicheren Einkommen geraten Kulturschaffende in eine Position, die der von Fabrik- oder Büroangestellten gleicht – allerdings ohne vergleichbaren Schutz.
Der Niedergang kultureller Produktion und Solidarität hängt direkt mit verschlechterten Arbeitsbedingungen zusammen. Ohne kollektive Organisation droht die weitere Abwertung ihrer Arbeit. Die Umverteilung von Geldern und politische Angriffe untergraben zusehends die Grundlagen des Sektors.
