Sachsen-Anhalt schränkt Lohnkontrollen drastisch ein – jeder Vierte verdient unter 15 Euro
Mila SimonSachsen-Anhalt schränkt Lohnkontrollen drastisch ein – jeder Vierte verdient unter 15 Euro
Lohnkontrollen in Sachsen-Anhalt stark eingeschränkt – fast jeder vierte Beschäftigte verdient unter 15 Euro pro Stunde
In Sachsen-Anhalt hat die Durchsetzung von Mindestlöhnen in den vergangenen drei Jahren dramatisch nachgelassen. Aktuelle Zahlen zeigen, dass fast ein Viertel der Beschäftigten weniger als 15 Euro pro Stunde verdient, während die Zahl der Betriebsprüfungen stark zurückgegangen ist. Kritiker machen massiven Personalmangel für den Rückgang der Kontrollen verantwortlich und sprechen von einer "Durchsetzungsblindheit".
Im Jahr 2025 führte die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) in Sachsen-Anhalt lediglich 691 Arbeitgeberprüfungen durch – ein drastischer Rückgang gegenüber den 1.598 Kontrollen im Jahr 2022. Damit liegt die Prüfungsquote bei nur noch 42,4 Prozent des früheren Niveaus. Bei diesem Tempo muss ein durchschnittlicher Betrieb in der Region statistisch alle 90 Jahre mit einer Zollkontrolle rechnen. Landwirte werden noch seltener überprüft: Hier liegt der Abstand zwischen zwei Kontrollen im Schnitt bei 234 Jahren.
Der Rückgang der Überwachung fällt mit anhaltend niedrigen Löhnen zusammen. Derzeit verdienen 23,3 Prozent aller Beschäftigten in Sachsen-Anhalt weniger als 15 Euro pro Stunde. In nicht tarifgebundenen Betrieben liegt der Anteil sogar bei 35 Prozent. Der gesetzliche Mindestlohn beträgt derzeit 13,90 Euro und soll bis 2027 auf 14,60 Euro steigen. Gleichzeitig ist die Zahl der gemeldeten Unternehmen von 65.738 im Jahr 2022 auf 62.211 im Jahr 2025 gesunken.
Der Linken-Abgeordnete David Schliesing bezeichnete die Situation als "inakzeptabel". Er führt den Zusammenbruch der Kontrollen auf chronische Unterbesetzung zurück und fordert dringend Verstärkung für die Zollteams. Schliesing plädierte zudem für spezielle Staatsanwälte, die sich gezielt mit Lohnverstößen befassen. Ohne Gegenmaßnahmen, so seine Warnung, werde die Ausbeutung von Arbeitnehmern weiter ungehindert stattfinden.
Die drastische Reduzierung der Prüfungen hat viele Beschäftigte in Sachsen-Anhalt anfälliger für Lohnunterschreitungen gemacht. Angesichts historisch niedriger Kontrolldichte und stagnierender Löhne werden die Rufe nach schärferer Aufsicht immer lauter. Die Region steht nun unter Druck, den Trend umzukehren, bevor sich die Lage weiter verschärft.






