Stromnetzausbau stockt: Wer zahlt die Milliarden-Mehrkosten für Deutschlands Energiewende?

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Eine Straßenszene mit Gebäuden und Strommasten auf beiden Seiten, einige parkende Fahrzeuge vor den Gebäuden und eine Straße in der Mitte.Admin User

Stromnetzausbau stockt: Wer zahlt die Milliarden-Mehrkosten für Deutschlands Energiewende?

Deutschlands Stromnetzausbau in der Krise: Gute Frage, wer trägt die Mehrkosten?

Der Ausbau des deutschen Stromnetzes kommt nur schleppend voran. Verzögerungen bei zentralen Projekten und explodierende Kosten sorgen für wachsende Spannungen zwischen Netzbetreibern, der Bundesregierung und Investoren. Gleichzeitig spüren Haushalte und Unternehmen die Folgen eines überlasteten Systems immer stärker.

Die Lage hat sich zugespitzt, weil der Ausbau erneuerbarer Energien schneller voranschreitet, als das Netz verkraften kann. Fehlen neue Stromtrassen, steigen die Kosten für alle – und manche ziehen sogar einen kompletten Ausstieg aus dem öffentlichen Netz in Betracht.

Die Verhandlungen zwischen Tennet Deutschland und der Bundesregierung liegen seit Anfang 2026 auf Eis. Streitpunkt ist die Frage, wer die Mehrkosten von über 12 Milliarden Euro für Schlüsselvevorhaben wie den SüdOstLink tragen soll. Eine Einigung ist nicht in Sicht, sodass die Bauzeiten trotz der dringenden Notwendigkeit im Rahmen der Energiewende in der Schwebe hängen.

Die Verzögerungen belasten bereits jetzt die Verbraucher. Fehlende Leitungen in Süddeutschland zwingen zu teuren Umleitungsmaßnahmen, die die Netzentgelte für alle Stromkunden in die Höhe treiben. Die EU hat Deutschland zudem wegen der starken regionalen Kostenunterschiede nicht mehr als einheitliche Strompreiszone anerkannt, was den Druck weiter erhöht. Netzbetreiber wie Tennet kämpfen mit bürokratischen Hürden und politischem Widerstand. In Baden-Württemberg hinken die Genehmigungen für den Netzausbau der rasanten Zunahme von Solaranlagen weit hinterher. Manche Hausbesitzer mit neuen Photovoltaikanlagen können ihren Strom gar nicht ins Netz einspeisen, weil die Infrastruktur noch nicht bereitsteht.

Um die finanzielle Belastung zu mildern, sucht Tennet nach neuen Investoren. Ein Konsortium unter Führung des norwegischen Staatsfonds und des niederländischen Pensionsfonds APG will bis Mitte September ein verbindliches Angebot für eine Kapitalerhöhung vorlegen. Der norwegische Fonds zeigt zudem Interesse an einer Beteiligung am Netzbetreiber Amprion. Doch selbst mit frischem Kapital bleibt die Bundesnetzagentur (BNetzA) zurückhaltend bei der Genehmigung von Ausbaukosten – sie will die Netzentgelte im Zaum halten.

Die angespannte Situation treibt einige wohlhabendere Haushalte sogar dazu, einen Austritt aus dem öffentlichen Netz in Erwägung zu ziehen. Sollte es dazu kommen, müssten die verbleibenden Nutzer – oft solche, die sich keine Alternativen leisten können – noch höhere Kosten für die Aufrechterhaltung des Systems tragen. Die Politik könnte bald vor der Frage stehen, ob sie eine Sonderabgabe für Haushalte einführen muss, um die Netzfinanzierung zu sichern.

Ohne Durchbrüche bei der Finanzierung und Genehmigung wird der Netzausbau in Deutschland weiter hinterherhinken. Höhere Netzentgelte und Umleitungskosten werden die Last weiterhin auf die Verbraucher abwälzen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob neue Investitionen und politische Kompromisse die dringend benötigten Projekte wieder auf Kurs bringen können.

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