Fokins Der Revisor am Deutschen Theater Berlin – ein Jahrhundert-Echo mit Zarenhymne

Amelie Hoffmann
Amelie Hoffmann
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Eine Zeichnung einer Menge im Drury Lane Theatre in London mit einem Bühnenbild mit Vorhängen, Bäumen, Hügeln und einem Himmel im Hintergrund und Text unten, der "James & Bob Enjoying a Theatre Head" lautet.Amelie Hoffmann

Fokins Der Revisor am Deutschen Theater Berlin – ein Jahrhundert-Echo mit Zarenhymne

Das Deutsche Theater Berlin hat unter der Regie von Waleri Fokin Der Revisor wiederaufleben lassen – genau ein Jahrhundert, nachdem Wsewolod Meyerhold seine legendäre Inszenierung an derselben Spielstätte präsentierte. Die Produktion von 2026, deren Premiere am 28. Februar stattfand, verbindet Tradition mit kühnen künstlerischen Entscheidungen, darunter die seltene Aufführung der Kaiserhymne Gott bewahre den Zaren!. Diese Neuinszenierung kommt mit besonderem Gewicht daher, denn die Uraufführung von 1836 fand in Anwesenheit von Zar Nikolaus I. persönlich statt.

Fokins Herangehensweise an das Stück speist sich aus einem breiten Einflussrepertoire. Seine Methode, wie Kollegen beschreiben, vereint Elemente der Dramaturgie, der bildenden Kunst und der Musik – alles, was das Deutsche Theater zu nutzen vermag. Das Ergebnis ist eine vielschichtige Interpretation, die Gogols Satire respektiert und gleichzeitig mit modernem Bühnenglanz anreichert.

Die Besetzung glänzt mit Tichon Schisnewski, bekannt durch seine Rolle in der Comic-Verfilmung Major Grom, in der Hauptrolle als Chlestakow. Seine Figur durchläuft nach dem Konsum eines "magischen" Elixiers eine Verwandlung, die tiefere Schichten seiner Persönlichkeit offenbart. Sergei Parschin, der den Stadtvorsteher spielt, balanciert zwischen grotesker Überzeichnung und natürlichem Dialog – und verankert so die Absurdität in glaubwürdigen Darstellungen.

Ein prägender Moment der Premiere ist die Aufführung der Kaiserhymne, vorgetragen von einem Vokaltrio, das sich direkt an die Zarenloge wendet. Michail Piotrowski, Generaldirektor der Eremitage, besuchte die Vorstellung und erhob sich während der Hymne – eine Geste, die deren historischen Klang unterstrich. Die Inszenierung endet mit einer ungewöhnlichen stummen Szene von anderthalb Minuten Länge, gefolgt von einem "Fortsetzung"-Segment, in dem Schauspieler und Kritiker über das Werk diskutieren.

Konstantin Raikin, ein Veteran des russischen Theaters, erinnerte sich an die erste Begegnung mit Fokin Ende der 1960er-Jahre am Schtschukin-Institut. Er lobte die Meisterschaft des Regisseurs und betonte, wie sich dessen frühes Talent über Jahrzehnte in innovativen Produktionen niederschlug. Fokin selbst inszenierte Der Revisor bereits 2002 am Deutschen Theater – diese Neuauflage markiert somit einen Kreis, der sich für das Haus schließt.

Die Inszenierung von 2026 festigt die enge Verbindung des Deutschen Theaters zu Gogols Werk und zeigt zugleich Fokins unverwechselbare Handschrift. Die Einbindung der Kaiserhymne und die abschließende Diskussion unterstreichen den Brückenschlag zwischen historischer Ehrfurcht und zeitgenössischem Experiment. Mit einem Ensemble renommierter Schauspieler und einem Regisseur, der für seine Vielseitigkeit gefeiert wird, stellt diese Wiederbelebung ein bedeutendes Ereignis der russischen Theaterlandschaft dar.

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